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Die Heilig-Geist-Kirche ist nun ein äthiopisch-orthodoxes Gotteshaus

Dürrbachau
Der schwere Weg der katholischen Kirchengemeinde in der Dürrbachau mit ihrem guten Ende

Mit ihren 450 Mitgliedern ist die Kirchengemeinde Heilig Geist in der Dürrbachau eine kleine Gemeinschaft. Die Kuratie gehört zu den katholischen Gemeinden Veitshöchheim-Dürrbachtal im Pastoralen Raum Würzburg Nord-West. Zum Jahresende 2025 wurde ihr Kirchengebäude mit dem angrenzenden Pfarrsaal an die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirchengemeinde St. Marqos in Würzburg verkauft. In den letzten zweieinhalb Jahren sind Pfarrer Christian Nowak und die Kirchengemeinde Heilig-Geist einen schwierigen Weg gegangen mit vielen Gesprächen, pflichtbewussten Entscheidungen und anstrengenden Schritten durch rechtliche Instanzen. Und die Gemeinde gestaltete einen intensiven pastoralen Abschied mit Gottesdiensten, Begegnungen mit Vorträgen und einem äthiopischen Fest. Mit ihrem Verkauf an die Äthiopisch-Orthodoxe Gemeinde haben Pfarrer Nowak und die zuständige Kirchenstiftung Neuland betreten, einen Meilenstein in der Diözese Würzburg gesetzt und in einem schmerzhaften Prozess Verantwortung übernommen. Der Verkauf des Gotteshauses hatte sich aufgrund der baulichen, finanziellen und personellen Entwicklung bei den Gläubigen und Ehrenamtlichen sowie nach der Gebäudebewertung der Diözese in die Kategorisierung E abgezeichnet. Deshalb beschloss die Kirchenverwaltung 2023, die Veräußerung ihrer Gebäude aktiv anzugehen. Eine Umnutzung für profane Zwecke kam für sie nie in Frage und die äthiopische Gemeinde äußerte ihr Kaufinteresse. Sie ist seit Jahren schon Gast in der Heilig-Geist-Kirche und feiert hier ihre religiösen Feste und Gottesdienste. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche gehört zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Seit dem Konzil von Nizäa im Jahr 325 n. Chr. eint fast alle christlichen Konfessionen das gleiche Glaubensbekenntnis. „Wir haben als erste Pfarrgemeinde im Bistum Würzburg eine Kirche an eine andere christliche Konfession verkauft“, sieht Pfarrer Nowak zusammen mit den Verantwortlichen des Bistums darin eine Pionierarbeit. Das Bischöfliche Ordinariat habe mit Rat und Tat unterstützt. „Aber es war unser Weg, wir haben die Verhandlungen geführt, alle Gremien miteinbezogen und als Team den pastoralen Rahmen für den Abschied gestaltet“, weiß der Pfarrer. Er betont damit die Autonomie der Kirchenstiftung und das bewusste Ergreifen einer ökumenischen Chance als eine Art Stabwechsel zwischen Christen. „Es gefällt uns, dass unsere Kirche eine Kirche bleibt und dass weiterhin hier Christen Gott loben, hier beten und singen“, verdeutlicht der Pfarrer. Schließlich hätten seit der Einweihung der markanten Rundkirche im Mai 1958 durch Bischof Josef Stangl unzählige Menschen hier Taufen, Kommunionen, Hochzeiten und Requien erlebt, die christlichen Feste gefeiert, ehrenamtliches Engagement gezeigt, Gemeinschaft erlebt und im Pfarrsaal gesellige Stunden verbracht. Seit der Gründung der Kirchenstiftung Heilig Geist im Jahr 1925 mit dem Ziel, eine eigene Kirche zu bauen, sei es „nun ein glücklicher Umstand, dass es nach 67 Jahren Glaubensleben in dieser Kirche“ weitergeht. Ein Jahrhundert lang spiegelte die Kirche die Gesellschaft wider. Nun verdeutlicht sie weiter die Pluralität, die Ökumene und das Sehnen der Menschen nach einer geistlichen, sozialen und identitätsstiftenden Heimat. Der Verkauf markiert zwar das Ende einer Ära, sichert jedoch das Überleben des Kirchengebäudes durch eine wachsende und lebendige Migrationsgemeinde. Die Gemeinde der Kuratie Heilig Geist Dürrbachau wurde nicht aufgelöst. Sie gehört weiterhin zum Pastoralen Raum Würzburg Nord-West, behält ihre Kirchenverwaltung und ihr Vermögen. Die 450 Mitglieder wurden der Pfarrei Unterdürrbach zugelegt und haben die dortige Kirche St. Rochus und St. Sebastian als neue Pfarrkirche zugewiesen bekommen. Im Sinne der ökumenischen Gastfreundschaft werden sie zudem weiter in „ihrer“ Kirche willkommen sein.